Was ist ein Lakehouse? Erklärt am Beispiel von Klinikdaten
Was ein Lakehouse ist, worin es sich von Data Warehouse und Data Lake unterscheidet, wie die Medallion-Architektur funktioniert und wann sich ein Lakehouse für Krankenhäuser lohnt – Schritt für Schritt am Beispiel der Belegungsdaten.
Kurze Antwort
Ein Lakehouse ist eine Datenplattform, die die günstige und flexible Speicherung eines Data Lake mit der Verlässlichkeit eines Data Warehouse verbindet. Die Daten liegen als Dateien in offenen Tabellenformaten wie Delta Lake oder Apache Iceberg, lassen sich aber wie Tabellen mit SQL abfragen, ändern und versionieren. Im Krankenhaus führt ein Lakehouse Daten aus KIS, ERP, Dienstplan und Fachsystemen zusammen und stellt sie geprüft für Controlling, Steuerung und KI bereit.
Stand: November 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Lakehouse speichert Rohdaten und aufbereitete Daten an einem Ort – günstig wie ein Data Lake, verlässlich wie ein Data Warehouse.
- Offene Formate wie Delta Lake und Apache Iceberg sorgen für Transaktionen, Versionierung und Unabhängigkeit von einzelnen Werkzeugen.
- Die Medallion-Architektur mit Bronze, Silver und Gold macht nachvollziehbar, wie aus Rohdaten eine Kennzahl wird.
- Lakehouse und Data Warehouse ergänzen sich: das eine für Integration und Aufbereitung, das andere für Kennzahlen.
- Für Krankenhäuser lohnt es sich vor allem bei vielen Quellen, großen Datenmengen und geplanten Prognosen oder KI-Anwendungen.
Wie ist das Lakehouse entstanden?
Kurze Antwort
Aus zwei Vorgängern mit jeweils einer großen Schwäche: Das Data Warehouse war verlässlich, aber starr und teuer; der Data Lake war günstig und flexibel, wurde aber ohne Ordnung schnell zum „Datensumpf“.
| Ansatz | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|
| Data Warehouse (seit den 1990er-Jahren) | Einheitliche Kennzahlen, schnelle SQL-Abfragen, bewährt im Controlling | Nur strukturierte Daten, aufwendige Änderungen, Speicher teuer |
| Data Lake (seit den 2010er-Jahren) | Beliebige Daten günstig speichern, Grundlage für Data Science | Keine Transaktionen, schwer abzufragen, Datenqualität unklar |
| Lakehouse (seit etwa 2020) | Verbindet beides: offene Dateien mit Tabellenfunktionen, SQL und Spark auf denselben Daten | Braucht klare Architektur und Governance, sonst entsteht wieder ein Datensumpf |
Möglich wurde das Lakehouse durch offene Tabellenformate. Sie legen über die Dateien im Speicher ein Protokoll, das Änderungen als Transaktionen verwaltet, frühere Versionen abrufbar macht („Zeitreise“) und das Schema der Tabellen sichert. Die bekanntesten Formate sind Delta Lake, Apache Iceberg und Apache Hudi.
Wie unterscheiden sich Lakehouse, Data Warehouse und Data Lake?
Kurze Antwort
Vor allem darin, welche Daten sie aufnehmen, wie sie verarbeitet werden und wofür sie gedacht sind.
| Kriterium | Data Lake | Data Warehouse | Lakehouse |
|---|---|---|---|
| Daten | Alle Formate, ungeprüft | Strukturiert, aufbereitet | Alle Formate, in Schichten aufbereitet |
| Speicher | Dateien, günstig | Datenbank | Dateien in offenen Tabellenformaten, günstig |
| Verarbeitung | Spark, Skripte | SQL | SQL und Spark auf denselben Tabellen |
| Transaktionen und Versionen | Nein | Ja | Ja |
| Stärken | Rohdaten, Data Science | Kennzahlen, Berichte | Integration, Historie, Data Science und Berichte |
| Typisch im Krankenhaus | Archiv von Exporten | Controlling-Kennzahlen | Gemeinsame Datenbasis für Controlling, Steuerung und KI |
Viele Plattformen kombinieren heute Lakehouse und Warehouse: In Microsoft Fabric speichern beide im Delta-Format im gemeinsamen Speicher OneLake. Das Lakehouse übernimmt Integration und Aufbereitung, das Warehouse die Kennzahlen für Controlling und Management – mehr dazu im Artikel Microsoft Fabric im Krankenhaus.
Wie funktioniert die Medallion-Architektur?
Kurze Antwort
Die Daten durchlaufen drei Schichten: Bronze (Rohdaten), Silver (bereinigt und verknüpft) und Gold (fachlich aufbereitet). Jede Schicht hat eine klare Aufgabe und Verantwortliche.
| Schicht | Inhalt | Wer nutzt sie? |
|---|---|---|
| Bronze | Rohdaten, wie sie aus den Quellsystemen kommen, mit Ladezeitpunkt | Data Engineers zur Fehlersuche und Nachverarbeitung |
| Silver | Bereinigte, vereinheitlichte und verknüpfte Daten, z. B. ein Fall mit allen Bewegungen | Analysten, Data Science |
| Gold | Fachliche Tabellen und Kennzahlen, z. B. Belegung je Station und Tag | Power-BI-Berichte, Controlling, KI-Modelle |
Ein Beispiel: der Weg der Belegungsdaten
Kurze Antwort
Aus einzelnen Aufnahme-, Verlegungs- und Entlassungsereignissen im KIS wird über Bronze, Silver und Gold eine verlässliche Belegungskennzahl je Station und Tag – nachvollziehbar und mit vollständiger Historie.
- Quelle: Das KIS erzeugt bei jeder Aufnahme, Verlegung und Entlassung ein Ereignis, etwa als HL7-v2-Nachricht (ADT) über die Integrationsplattform oder als Datenbankexport.
- Bronze: Die Ereignisse werden unverändert mit Ladezeitpunkt gespeichert. Korrekturen im KIS – etwa eine nachträglich geänderte Verlegungszeit – kommen als neue Ereignisse hinzu; nichts wird überschrieben.
- Silver: Ein Datenpipeline-Schritt bereinigt die Daten: doppelte Nachrichten entfernen, Stationen und Fachabteilungen auf einen einheitlichen Katalog abbilden, Stornos berücksichtigen und je Fall eine saubere Abfolge von Aufenthalten bilden. Patientenbezogene Merkmale, die für die Auswertung nicht nötig sind, werden pseudonymisiert oder entfernt.
- Gold: Daraus entstehen fachliche Tabellen wie „Belegung je Station und Tag“, „Verweildauer je Fall“ oder „Aufnahmen je Wochentag“ – mit einer festgelegten Definition, etwa zu welchem Stichzeitpunkt ein Bett als belegt gilt.
- Nutzung: Ein Power-BI-Bericht liest die Gold-Tabellen direkt, das Belegungsmanagement sieht die aktuelle Lage, das Controlling die Entwicklung über Jahre. Ein Prognosemodell nutzt dieselben Daten für die Vorhersage der nächsten Tage – siehe Predictive Analytics im Krankenhaus.
Weil die Rohdaten erhalten bleiben, lässt sich jede Kennzahl bis zum Ursprung zurückverfolgen. Ändert sich eine Definition, wird die Gold-Schicht neu berechnet – ohne die Daten erneut aus dem KIS zu laden.
Wann lohnt sich ein Lakehouse für Krankenhäuser?
Kurze Antwort
Wenn viele Quellen zusammengeführt, große Datenmengen über Jahre historisiert oder Prognosen und KI-Anwendungen aufgebaut werden sollen. Für einige Controlling-Berichte aus wenigen Systemen reicht oft ein klassisches Data Warehouse.
| Lakehouse lohnt sich, wenn … | Ein Data Warehouse genügt, wenn … |
|---|---|
| Daten aus vielen Systemen kommen (KIS, ERP, Dienstplan, Labor, Medizingeräte) | wenige, gut strukturierte Quellen ausgewertet werden |
| Nachrichten-, Geräte- oder Textdaten verarbeitet werden sollen | nur tabellarische Daten anfallen |
| eine lange Historie für Vergleiche und Prognosen gebraucht wird | Monats- und Jahresberichte im Vordergrund stehen |
| Data Science und KI geplant sind | Berichte und Kennzahlen das Ziel sind |
| mehrere Häuser eines Verbunds eine gemeinsame Datenbasis brauchen | ein einzelnes Haus seine Kennzahlen steuert |
Ob dafür Microsoft Fabric oder eine bestehende Power-BI-Umgebung die bessere Wahl ist, beschreibt die Entscheidungshilfe Power BI oder Microsoft Fabric.
Worauf kommt es beim Aufbau an?
- Mit einem Anwendungsfall beginnen: etwa Belegung oder Controlling, nicht mit „allen Daten“.
- Datenschutz vor dem ersten Ladevorgang klären: Welche Daten dürfen in welcher Form in die Plattform? Pseudonymisierung, Berechtigungen, Speicherregion, Auftragsverarbeitung und Datenschutz-Folgenabschätzung.
- Schichten und Verantwortliche festlegen: Wer verantwortet Bronze, Silver und Gold? Wer definiert Kennzahlen?
- Datenqualität messbar machen: Prüfregeln je Schicht, etwa für Vollständigkeit, Dubletten und Plausibilität.
- Offene Formate nutzen: Delta Lake oder Iceberg halten den Weg zu anderen Werkzeugen offen.
- Kosten im Blick behalten: Rechenleistung entsteht beim Verarbeiten; Ladeläufe sinnvoll planen und Kapazitäten überwachen.
- Team befähigen: Data Engineers, Analysten und Fachbereiche brauchen unterschiedliche Kenntnisse – siehe Schulungen unten.
Fazit
Ein Lakehouse verbindet die Flexibilität eines Data Lake mit der Verlässlichkeit eines Data Warehouse. Für Krankenhäuser ist es vor allem dann ein Gewinn, wenn viele Quellen, lange Historien und KI-Vorhaben zusammenkommen. Entscheidend sind nicht die Werkzeuge, sondern eine klare Schichtenarchitektur, abgestimmte Kennzahlen und ein Datenschutzkonzept, das von Anfang an mitläuft.
Bei Architektur, Pilot und Einführung unterstützen wir Sie – mehr auf der Seite Microsoft Fabric für Krankenhäuser: Beratung und Schulung.
Quellen
- Was ist ein Lakehouse in Microsoft Fabric? Microsoft Learn.
- Medallion-Lakehouse-Architektur in Microsoft Fabric Microsoft Learn.
- Delta Lake. Linux Foundation, Projektseite.
- Apache Iceberg. Apache Software Foundation, Projektseite.
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO). Art. 9 und 35.
Passende Schulungen
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- DP-700 Implement data engineering solutions using Microsoft Fabric (DP-700T00)4 Tage · nächster Termin 02.–05.11.2026
- Databricks Lakehouse Grundlagen3 Tage · nächster Termin 02.–04.11.2026
- Cloud Lakehouse: Delta Lake, Iceberg & Databricks Praxis3 Tage · nächster Termin 02.–04.11.2026
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