KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-Verordnung: Was Kliniken schulen müssen
Was Art. 4 der KI-Verordnung von Krankenhäusern, MVZ und Pflegeeinrichtungen verlangt, was sich durch den Digital Omnibus geändert hat, welche Beschäftigten welche Kenntnisse brauchen und wie Schulung und Nachweis praktisch gelingen.
Kurze Antwort
Art. 4 der KI-Verordnung verpflichtet Krankenhäuser, MVZ und Pflegeeinrichtungen, die KI-Systeme einsetzen, seit dem 2. Februar 2025, Maßnahmen zur KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu ergreifen. Mit dem Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit dem 27. Juli 2026) wurde die Pflicht neu gefasst: Einrichtungen müssen die Entwicklung der KI-Kompetenz unterstützen, aber kein bestimmtes Niveau garantieren. Ein Zertifikat oder ein KI-Beauftragter ist nicht vorgeschrieben. In der Praxis heißt das: Schulungen nach Rolle anbieten, Regeln für den KI-Einsatz festlegen und beides dokumentieren.
Stand: November 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Wer KI in eigener Verantwortung einsetzt, ist Betreiber – das gilt für fast jedes Krankenhaus, das Copilot, KI-Chats, Spracherkennung oder KI-Bildanalyse nutzt.
- Die Pflicht gilt für alle KI-Systeme, nicht nur für Hochrisiko-KI, und umfasst auch externe Personen, die im Auftrag des Hauses mit KI arbeiten.
- Seit Juli 2026 heißt es „Maßnahmen zur Unterstützung“ statt „sicherstellen“ – die Pflicht bleibt, der Maßstab ist realistischer.
- Inhalte und Umfang richten sich nach Rolle, Vorkenntnissen und Einsatzkontext: Die Pflegekraft braucht anderes Wissen als die IT-Administration.
- Ein eigenes Bußgeld für Art. 4 gibt es nicht; dokumentierte Schulungen sind trotzdem der beste Nachweis sorgfältigen Handelns.
Was verlangt Art. 4 seit dem Digital Omnibus?
Kurze Antwort
Anbieter und Betreiber ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen – unter Berücksichtigung von Kenntnissen, Erfahrung, Ausbildung, Einsatzkontext und der Menschen, bei denen KI eingesetzt wird.
| Fassung bis 26.07.2026 | Fassung seit 27.07.2026 (VO 2026/1744) | |
|---|---|---|
| Pflicht | Maßnahmen, um „nach besten Kräften sicherzustellen“, dass das Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt | Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz des Personals zu unterstützen |
| Maßstab | ausreichendes Kompetenzniveau | kein bestimmtes Niveau garantiert |
| Wer | Personal und andere Personen, die im Auftrag mit KI arbeiten | unverändert |
| Zu berücksichtigen | Kenntnisse, Erfahrung, Ausbildung, Einsatzkontext, betroffene Personen | unverändert |
| Neu | – | Kommission und Mitgliedstaaten unterstützen; die Kommission veröffentlicht praktische Beispiele |
Der Geltungsbeginn bleibt der 2. Februar 2025. KI-Kompetenz meint nach der Begriffsbestimmung der Verordnung die Fähigkeiten, Kenntnisse und das Verständnis, um KI-Systeme sachkundig einzusetzen und sich ihrer Chancen, Risiken und möglichen Schäden bewusst zu sein.
Wer muss im Krankenhaus geschult werden?
Kurze Antwort
Alle, die im Auftrag des Hauses KI-Systeme betreiben oder nutzen – Beschäftigte ebenso wie externe Kräfte, etwa Leiharbeitskräfte oder Dienstleister. Umfang und Tiefe richten sich nach der Rolle.
| Rolle | Typischer KI-Einsatz | Schwerpunkte der Schulung |
|---|---|---|
| Alle Beschäftigten mit KI-Zugang | KI-Chat, Copilot in Office, Übersetzung | Grundlagen, Grenzen und Fehler von KI, Datenschutz und Schweigepflicht, erlaubte Werkzeuge, Prüfpflicht für Ergebnisse |
| Ärztlicher Dienst | Dokumentation, Arztbriefe, Entscheidungsunterstützung, Bildanalyse | Verantwortung für Befund und Behandlung, Medizinprodukterecht, Verzerrungen, Dokumentation der KI-Nutzung |
| Pflege | Dokumentation, Spracherfassung, Risikoeinschätzung, Planung | Einsatz im Pflegeprozess, Prüfung von Vorschlägen, Datenschutz, Grenzen der Automatisierung |
| Verwaltung, Abrechnung, Controlling | Texte, Auswertungen, Kodierunterstützung | Prompts, Prüfung von Ergebnissen, vertrauliche Daten, Nachvollziehbarkeit |
| IT, Informationssicherheit, Datenschutz | Freigabe, Betrieb und Überwachung von KI-Diensten | Architektur, Sicherheitsrisiken, Verträge und Auftragsverarbeitung, Protokollierung, Bewertung neuer Werkzeuge |
| Geschäftsführung und Leitung | Strategie, Investitionen, Verantwortung | Chancen und Risiken, Rechtsrahmen, KI-Richtlinie, Governance, Rollen und Zuständigkeiten |
Was gehört zu einer guten KI-Schulung im Gesundheitswesen?
Kurze Antwort
Grundwissen über KI, die Regeln des eigenen Hauses, Datenschutz und Schweigepflicht, Übungen mit realistischen Fällen und die klare Botschaft, dass Menschen die Verantwortung für Ergebnisse behalten.
- Wie KI arbeitet: Was Sprachmodelle können, warum sie überzeugend falsch antworten („Halluzinationen“), was Verzerrungen in Daten bewirken.
- Regeln des Hauses: Welche Werkzeuge freigegeben sind, welche Daten hineindürfen, wer Ergebnisse prüft und wie die Nutzung dokumentiert wird.
- Datenschutz und Schweigepflicht: Gesundheitsdaten sind besonders geschützt; Patientendaten gehören nicht in private oder nicht freigegebene KI-Dienste – mehr im Artikel ChatGPT im Krankenhaus.
- Praxisübungen: Arztbrief-Entwurf prüfen, Pflegebericht zusammenfassen, Fehler in KI-Antworten finden – mit anonymisierten oder erfundenen Fällen.
- Recht und Verantwortung: KI-Verordnung, Medizinprodukterecht bei Diagnose- und Therapieunterstützung, Haftung, Mitbestimmung.
- Sicherheit: Phishing mit KI, Manipulation von Eingaben, Umgang mit Zugangsdaten – in Verbindung mit der Security-Awareness nach § 391 SGB V.
Wie setzen Krankenhäuser Art. 4 praktisch um?
- KI-Inventar erstellen: Welche KI-Systeme sind im Einsatz oder geplant – auch versteckte KI in Fachanwendungen, Spracherkennung oder Office?
- Rollen und Bedarf festlegen: Wer nutzt welches System, mit welchen Vorkenntnissen und Risiken?
- KI-Richtlinie beschließen: freigegebene Werkzeuge, erlaubte Daten, Prüf- und Dokumentationspflichten, Ansprechpersonen. Bei Systemen, die Verhalten oder Leistung überwachen können, die Mitarbeitervertretung beteiligen.
- Schulungen nach Rolle anbieten: Grundschulung für alle mit KI-Zugang, Vertiefungen für ärztlichen Dienst, Pflege, IT und Leitung – als E-Learning, Präsenzseminar oder Inhouse-Workshop.
- Freigabe an Schulung koppeln: Zugang zu KI-Werkzeugen erst nach der Grundschulung.
- Dokumentieren: Teilnehmende, Datum, Inhalte und Format festhalten – als Nachweis gegenüber Aufsicht, Versicherern und im Haftungsfall.
- Auffrischen: bei neuen Systemen, geänderten Regeln oder auffälligen Vorfällen nachschulen.
Wie hängt Art. 4 mit den Hochrisiko-Regeln zusammen?
Kurze Antwort
Art. 4 gilt für alle KI-Systeme. Für Hochrisiko-KI kommen weitere Betreiberpflichten hinzu, etwa eine menschliche Aufsicht durch kompetente Personen – nach dem Digital Omnibus ab dem 2. Dezember 2027 für KI nach Anhang III und ab dem 2. August 2028 für KI in Produkten wie Medizinprodukten.
Viele KI-Anwendungen mit medizinischem Zweck – etwa zur Unterstützung von Diagnose oder Therapie – sind Medizinprodukte und fallen damit künftig unter die Hochrisiko-Regeln. Wer heute in KI-Kompetenz investiert, schafft die Grundlage für diese Pflichten. Einen Überblick über Einsatzfelder und Rechtsrahmen gibt der Artikel KI im Krankenhaus.
Welche Schulungen passen?
| Zielgruppe | Passendes Angebot | Format |
|---|---|---|
| Alle Beschäftigten, Einstieg | AI+ Healthcare Foundation | Selbstlernkurs |
| Fachkräfte und Führungskräfte im Gesundheitswesen | KI im Gesundheitswesen | 1 Tag |
| Pflege | KI in der Pflege oder AI+ Nurse | 1 Tag / Selbstlernkurs |
| Ärztlicher Dienst | AI+ Doctor | Selbstlernkurs |
| Geschäftsführung und Leitung | AB-731 KI-Transformation in der Organisation | 1 Tag |
| IT und Administration von Microsoft 365 Copilot | AB-900 Microsoft 365 und KI-Administration | 1 Tag |
Für ganze Häuser oder Abteilungen stellen wir ein Schulungsprogramm nach Rollen zusammen – mit Grundschulung, Vertiefungen und Dokumentation. Alle KI-Seminare finden Sie unter KI-Schulungen für das Gesundheitswesen; bei Strategie, Richtlinie und Einführung unterstützt die KI-Beratung.
Fazit
Art. 4 der KI-Verordnung ist seit dem Digital Omnibus weniger streng formuliert, aber nicht abgeschafft: Krankenhäuser müssen die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten aktiv fördern. Das ist mehr als eine Pflichtübung. Wer KI sicher, datenschutzkonform und mit klarer Verantwortung einsetzen will, braucht Beschäftigte, die wissen, was KI kann, wo sie irrt und welche Regeln gelten – und eine Dokumentation, die das belegt.
Hinweis: Dieser Überblick ersetzt keine Rechtsberatung.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung). Art. 3 Nr. 4 und 56, Art. 4, Art. 26.
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital Omnibus zur KI-Verordnung). Amtsblatt der EU vom 24.07.2026, Art. 1 Nr. 5 (neuer Art. 4).
- AI Literacy – Questions & Answers. Europäische Kommission.
- Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz. Datenschutzkonferenz, Mai 2024.
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